Kitesurfen, Drachensurfen oder Kiteboarden
Kitesurfen
Kurzbeschreibung
Kitesurfen, Drachensurfen oder auch Kiteboarden (frz. flysurf) ist eine Variante des Windsurfens, wobei der Surfer/die Surferin anstelle des Segels einen "Kite" (Lenkdrachen) für die Fortbewegung verwendet.

Kitesurfer auf der dänischen Insel Römö fotografiert von Claudius Tesch
Das Board

Das Kitesurfboard ist ähnlich wie ein Wakeboard, Snowboard oder Surfbrett aufgebaut; typischerweise ist es zwischen 120 und 165 cm lang und ca. 30 bis 45 cm breit. Die Kraftübertragung der Steuerungsbewegungen der Füße auf das Brett erfolgt über eine feste Bindung oder über Fußschlaufen.
Um das Brett nach einem Sturz nicht zu verlieren, lernt man die Technik des Bodydrag. Früher verwendete man oft eine elastische oder aufrollbare Leinenverbindung vom Trapezgurt des Surfers zum Brett. Da diese aber häufig zu Verletzungen führte, wird das heute nur noch vereinzelt empfohlen.
Der Schirm
Aufbau des Schirms
- Softschirme, Ram-Air-Schirme oder Mattenschirme sehen aus wie Gleitschirme und eignen sich vor allem zur Benutzung an Land, z.B. beim Surfen auf Schnee. Es gibt aber auch Softschirme mit geschlossenen Zellen, die man zum Surfen auf dem Wasser benutzen kann. Der Begriff Ram-Air bezieht sich auf die Stauluft zwischen Ober- und Untersegel, durch die der Schirm seine Form erhält. Die Flugstabilität wird grundlegend durch Waageleinen erzeugt. Softschirme kommen z. T. mit 3 Leinen aus; manche Matten haben Anknüpfpunkte wie Tubeschirme (4-Leiner).
- Tubeschirme besitzen Luftschläuche (Tubes). Einen Frontschlauch, der dem Schirm eine "C-Form" gibt und mehrere Querschläuche (Struts), die der "Segelfläche" Stabilität geben. Diese Luftkammern werden vor dem Start auf einen Druck von ca. 6-8 psi aufgepumpt. Sie verhindern nach einer Wasserlandung das Versinken des Schirms und erleichtern so den Wasserstart.
- Bow-Schirm: Weitere Form der C-Schirme, bei denen man durch Wegschieben der Bar den Anstellwinkel des Drachens zum Wind über einen im Vergleich größeren Bereich bis nahezu 100% Depower verstellen kann, d. h. im Normalfall zieht der Kite den Surfer nicht mehr nach Lee. Neben einem flacheren "C" besitzt der Bogenschirm eine Waage mit mehreren Anknüpfungspunkten am Drachen.

Kitesurf Ausrüstung
Verbindung zur Bar: Steuerung und Sicherheitsleinen
- 4-Leiner: Zwei Leinen sind für die Übertragung der Zugkräfte zuständig. Sie werden in der Mitte zur Depower-Leine zusammen geführt und über eine zentrale Durchführung sowie einer Schlaufe am Ende (chicken loop) am Trapezhaken befestigt. Die anderen zwei Leinen (Lenkleinen oder auch Bremsleinen) werden links und rechts an den Enden der Bar befestigt. Sie ermöglichen weitere aerodynamische Manipulationen wie: Lenken, Anstellwinkel verändern, Anbremsen.
- 5-Leiner: Die 5. Leine ist zentral oder als "Y" an der Vorderkante der Fronttube befestigt. Der Drachen kann durch Zug an dieser Leine drucklos auswehen, was einen Gewinn an Sicherheit bedeutet. Beim Start aus dem Wasser hilft sie, den Drachen in eine günstige Startposition zu bringen (Umklappen). Eine trimmbare fünfte Leine dient der Stabilisierung des Drachenprofils und erweitert somit den nutzbaren Windbereich.
- 2-Leiner: Ein Zwei-Leiner lässt nur eine eingeschränkte Depower des Schirms zu. Durch Loslassen der Bar kann der Schirm in einer Notsituation sofort an einer der Leinen auswehen. Er hängt dann nur noch an der Sicherheitsleine, die oft am Handgelenk befestigt wird. Meist in der Anfängerschulung eingesetzt.
Start des Kites
Die Vorgehensweise beim Start des Schirms ist vom eingesetzten System abhängig. Beim Tubeschirm ist ein Starthelfer sinnvoll. Er fixiert den Schirm am Windfensterrand, wo der Schirm nicht so viel Zug entwickelt, so dass der Sportler den Schirm gefahrlos in den Zenit fliegen kann. Ohne Starthelfer kann der Schirm an einer umgeschlagenen Schirmecke mit Sand(säcken) am Boden gehalten werden. Zum Start werden die Sandsäcke durch Zug an den betreffenden Leinen abgeworfen und der Schirm steigt zum Himmel auf.
Bestimmte Ram-Air-Schirme können auch ohne Helfer gestartet werden. Diese Drachen sind genau in der Leistungszone zu starten. Aus Sicherheitsgründen ist aber auch bei diesen Schirmen ein Helfer angebracht, der den Sportler davor bewahrt, ungewollt nach vorne gezogen zu werden. Das gilt, insbesondere bei extrem viel Wind, auch für den Tubeschirm-Start.

Kite-Surfer am Kap Trafalgar (Spanien)
Steuerung
Mit einer "Lenkstange" (Bar) wird es dem Kitesurfer ermöglicht, über die Leinen den Flug des Schirms im Windfenster zu steuern. Zur Richtungsänderung wird der Drachen behutsam auf die andere Seite bewegt und die dann erfolgenden Halse mit der Kantensteuerung des Brettes unterstützt.
Der Kitesurfer regelt seinen Kurs und seine Geschwindigkeit über die Steuerung des Schirms und des Brettes. Die Kurse zum Wind können ähnlich wie ein Segler oder Windsurfer gewählt werden, d. h. gegen den Wind kann aufgekreuzt werden. Unterschiede ergeben sich gegenüber den anderen Segelsportlern u. a. durch die Eigengeschwindigkeit und die Flughöhe des Drachens. Letztere beträgt je nach Leinenlänge üblicherweise maximal 27 m. In dieser Höhe ist der Wind meist stärker, konstanter und frei von Turbulenzen.
Fliegt der Sportler den Drachen in voller Fahrt nach hinten oben, wird er durch den Auftrieb des Drachens in die Luft getragen. Es lassen sich große Sprünge - teils schon Flüge - vollbringen.
Rekorde
Bei Sprüngen liegt der Rekord für die Höhe bei ca. 10 Metern offiziell (bei 32 Metern inoffiziell), für die Dauer bei 8 Sekunden offiziell (bei 13 Sekunden inoffiziell).
Am 30.05.2005 wurde in Cooking Lake Edmonton (Alberta Canada) von einem Snowkiter die Geschwindigkeit von 108km/h (!) erreicht.
Quellenverweis
Dieser Artikel basiert auf dem Artikel Kitesurfen aus der freien Enzyklopädie Wikipedia und steht unter der GNU-Lizenz für freie Dokumentation. In der Wikipedia ist eine Liste der Autoren verfügbar.
